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STIMMEN zum Garten:
Was ist für dich ein Garten?

Während unserer Hintergrundrecherche sind wir immer wieder auf die Frage gestoßen:

Was ist eigentlich ein Garten? Was ist für mich ein Garten und warum?

Wir haben viele Menschen in unserem Umfeld gefragt, deren Stimmen wir hier teilen möchten. 

Marlon, 22 Jahre

"Ein Ort wo man gut alleine sein kann. Mit einem Garten assoziiere ich Entspannung, Kräuter, Bäume und ein Lagerfeuer bzw. Feuerplatz.."

Was ist für dich ein Garten?

EINE FRAGE DER KUNST

Unser Kunst-Praxisprojekt

In der tieferen Auseinandersetzung mit Gärten, deren Architektur und kulturellem Hintergrund haben wir uns intensiver mit verschiedenen Ansätzen beschäftigt. Einen besonderen Einfluss auf die Ausarbeitung des Konzepts hatte die Architektur und Landschaftsarchitektur Karl Friedrich Schinkels, welcher durch seinen von der Romantik geprägten Ansatz Landschaftsgärten gestaltete, welche nicht nur einen ästhetischen Anspruch hatten, sondern auch eine emotionale Wirkung hervorrufen sollten. Desweiteren zeichnen sich die Landschaftsgärten Schinkels durch die scheinbare Nahtlosigkeit aus, in welcher diese Architektur und Landschaft miteinander verbinden. Ein Aspekt, welcher auch in unserem Garten strukturgebend ist.

Der innere Wandelweg steht für sich, ist in sich geschlossen. Die ,,Ausfransung”, der sich glättendende Übergang findet außerhalb dieses Kerns statt. Der auslaufende Wandelweg über das gesamte Gelände bettet sich scheinbar nahtlos in die Landschaft ein, Grenzen verschwimmen. Unterstützt wird diese Intention dadurch, dass auch in dem stark angelegten Teil des Gartens, dem ,,Wandelweg”, nur Flora angesiedelt ist, welche sich auch außerhalb der Begrenzung finden lässt.

Die heimische Flora findet eine durch Menschenhand gestaltete Struktur, eine Ordnung, die sich mit zunehmender Distanz zum Mittelpunkt immer weiter ,,ausfranst”.
Durch diese Zentrierung findet auch der Geist seinen Mittelpunkt in der Landschaft. Findet einen Platz der ,,Ordnung”, der Struktur.

Ein weiteres Mittel, diesen Ansatz zu unterstützen, sind die natürlichen Sichtachsen, welche ähnlich der zuvor erwähnten ,,Ausfransung”, die natürlichen Begebenheiten des Ortes spielerisch implementieren und auf das ,,Außen” verweisen. So wird die begrenzende Steinwand des Wandelweges einerseits als Raum gebend, haltend und schaffend wahrgenommen, andererseits verweist ebenjene auf die Weite, das Meer, den Horizont- verbindet Diesseitiges mit Jenseitigem, Nähe mit Weite.

Die Verbindung, welche schon Schinkel in seiner Landschaftsarchitektur schaffte, den Übergang zwischen Architektur und Landschaft, versuchten wir einerseits zu unterstreichen, andererseits bemühten wir uns, einen zeitgenössischen Ansatz zu schaffen. Der Garten selbst liegt auf einem Grundstück in der Provence, eine Gegend, in welcher mit regelmäßiger Wasserknappheit zu rechnen ist.

Ein weiterer Grund, sich auf die lokale Fauna zu beschränken. Dennoch bemühten wir uns, dass zu Verfügung stehende Süßwasser (primär in Form von Regen) optimal zu nutzen. So verfügt der Brunnen im Herzen des Wandelgartens beispielsweise über Kanäle, welche beim Überlaufen des Brunnenbeckens geflutet werden und somit die Beete bewässern. 

Auf lange Sicht ist geplant, ein unterirdisches Bewässerungssystem zu installieren, welches allein durch Schwerkraft und die Fähigkeit von Ton, Feuchtigkeit zu speichern das Land in einer relativen Feuchtigkeit mit maximaler Wassereffizienz hält. Die erwähnte Technik wurde ursprünglich in Portugal und Spanien von Mönchsorden entwickelt und findet mittlerweile kaum noch Anwendung. Ein maßgeblicher Vorteil, welcher mit dieser Methode einhergeht, ist, dass man der Verdunstung durch Sonneneinstrahlung entgegenwirkt. Dadurch, dass das Wasser unterirdisch transportiert wird, gelangt es direkt an die Wurzeln.

Die Anwendung alter Ideen und Konzepte auf zeitgenössische Fragen ist ein Ansatz, welcher in diesem Projekt immer wieder in verschiedener Form Anwendung findet. Durch individuelle Anpassungen an örtliche und zeitliche Bedingungen lassen sich Lösungen und Ansätze aus der Vergangenheit wiederverwenden und eröffnen Möglichkeiten, näher an und mit dem Land zu arbeiten und zu leben.

Ein weiterer Einfluss auf die Ausarbeitung unseres Wandelgartens hatten die in der Provence anzufindenden Kreuzgänge. Besonders der Kreuzgang von Saint-Paul-de-Mausole in Saint-Rémy-de-Provence prägte durch seine anmutende Ausgeglichenheit in Gestalt und Atmosphäre unsere Vorstellung.

Dieser wurde im 12. Jahrhundert erbaut und gilt als herausragendes Beispiel für die romantische Architektur in der Provence. Gerade dessen elegante Schlichtheit war teilweise formgebend für den inneren Teil unseres Wandelgartens. Der Kreuzgang des Saint-Paul-de-Mausole besteht aus einem quadratischen Innenhof mit einem gedeckten Gang zu allen Seiten.

Ähnlich des zur Meditation und Kontemplation einladenden Kreuzganges wollten wir eine annähernde Stimmung wie die dort herrschende hervorrufen. Gleichzeitig sahen wir uns mit der Frage konfrontiert, was der Mensch heute in einem solchen Kontext zu finden sucht oder braucht. Schnell wurde klar, dass wir uns von der christlichen Tradition der Kreuzgänge lösen wollten.

Christliche Motive lösten wir durch die schlichten, anmutenden Formen und Farben der Natur ab. Diese versuchten wir so Form zu geben, dass sie eine ähnliche sakrale Wirkung ausübte. Unabhängig von Religionen sollte der Ort dennoch zu einer inneren Reise, zur Ruhe des Geistes und zur Erweiterung der Perspektive beitragen.

Anstelle christlicher Symbolik suchten wir den Raum zu öffnen, zu weiten. 


Unser sakrales Zentrum war der Raum selbst. Die Kräfte, in denen sich die Natur dort zeigt und äußert.

Der Wind, welcher dem Land seine karge Schönheit schenkt, die Sonne, die den Raum fast vollkommen beherrscht, zeigt sie sich am Firmament. Der Fauna, die sich diese Bedingungen zu eigen gemacht hat und der Landschaft Farbe schenkt. 


Seinen Höhepunkt findet diese Perspektive in dem im Mittelpunkt befindlichen Brunnen und seinen vier Wasserwegen, die das Herzstück des Gartens mit Leben versorgen. 


Das Wasser als bestimmendes Element, als Kontrast der übermächtigen Sonne gegenüber.

In diesem Brunnen suchten wir dieses Verhältnis umzukehren: Das Wasser trägt das Feuer- sinnbildlich für die Sonne- hält es, birgt es.

Als Antwort zu der Frage, was ein Mensch heute in einem solchen Kontext sucht: einen Ort, um berührt zu werden, einen Ort, um zu berühren.

Ort

La Cadière-d'Azur, Provence,

Frankreich

Teilnehmer

Studenten der Alanus Hochschule

Antonia Sliwinski

Philipp Menningen

Betreuer

Alanus Hochschule 

Harald Hoppe

harald.hoppe@alanus.edu

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